„Wenn Reisen Angst macht“ – Segeln in Kroatien
Ich erzähle gerne von Segelturns, die ich gemacht habe, meistens sind es Geschichten von schönen Stränden, gutem Wind und Aufenthalten zum Schwimmen in abgelegenen Buchten. Ab und an auch, von spannenden Regatten bei denen ich mitgesegelt bin. Es gibt auch Geschichten, die nicht so viel Spaß gemacht haben wie die anderen. „Wenn Reisen Angst macht“, ist das Thema der Blogparade von Bezirzt.de, an der ich heute Teilnehmen möchte.
„Wenn Reisen Angst macht“ Segeln in Kroatien
Kroatien gehört für mich zu den schönsten Segelrevieren im Mittelmeer. Besonders die Dalmatinische Küste, mit ihren über 100 Inseln und Korallenriffe, hat es mir angetan. Ein großer Teil dieser Meeresregion wurde schon vor Jahrzehnten zu einem Nationalpark erklärt.
Von Rovinj nach Dubrovnik
Im Nordteil befindet sich die kleine Stadt Rovinj mit ihren süßen kleinen Gassen und freundlichen Menschen. Von dort aus bin ich damals mit einem 6 Mann Boot gestartet. Der Küste entlang ging es bis in den südlichsten Teil Kroatiens, nach Dubrovnik. Als Teil einer Regatta ging es nicht darum , entspannt in der Sonne zu liegen und schöne neue kleine Buchten zu entdecken, sondern darum der erste im Ziel zu sein.
Die meisten von euch werden Dubrovnik schon einmal gesehen haben. Manche zwar nicht live, sondern im Fernseher. „Kings Landing“, wird die Stadt in der Serie „Game of Thrones“ genannt. Die Außenaufnahmen, die in der fiktiven Hauptstadt von Westeros spielen, werden dort gedreht. Falls ihr einmal dort sein solltet und die Festung von Lovrijanac seht, dann braucht ihr euch nicht wegen den bekannten Bildern in eurem Kopf wundern.
Bis zur Nacht nach dem Auslaufen hatten wir die Halbinsel Istrien schon mehr als 20 Seemeilen hinter uns gelassen. Die Regatta war non-stop ausgelegt. Es wird also ohne eine Pause bis zum Ziel durchgesegelt. Die Mannschaft teilt sich dabei in mehrere Schichten ein, sodass immer eine Hälfte schläft oder das Segelschiff steuert.
Nach der ersten Schicht am Steuer, ging es für mich um 21.00 Uhr ins Bett, um später in der Nacht wieder den anderen Teil der Mannschaft ablösen zu können. Wir hatten auf der bisherigen Strecke einen guten Wind, was der aufkommenden Bora zu verdanken war.
„Die Bora, der große Störenfried dieses Meeres, erhebt sich stets ohne das kleinste Warnungszeichen; mit der Gewalt eines Tornados überfällt sie die Seeleute und gestattet nur dem Kühnsten, auf Deck zu bleiben. Manchmal tobt sie wochenlang und am heftigsten zwischen der Bucht von Cattaro und dem Südende von Istrien. Der Dalmatiner aber ist von Kindheit an gewöhnt, ihr zu trotzen, er wird hart unter ihrem Atem und verachtet die armseligen Winde anderer Meere.“ Karl Marx über die Bora. Quelle: Wikipedia
Geweckt wurde ich vom knallen und donnern eines Gewitters in das wir gekommen waren, etwas vor der geplanten Zeit gegen 1.00 Uhr Nachts. Die Wellen, die das Meer schlug waren in unserem nur 10 Meter langen Schiff deutlich zu bemerken. Ich bin in der vordersten Koje am Bug des Schiffes gelegen. Von dort spürt man das Fallen des Bugs, nach einer hohen Welle, wieder hinunter ins Wasser besonders gut.
Das erste Gewitter in dieser Nacht war nicht das letzte.
Nach einem Frühstück und einem Instant-Kaffee ging es mit voller Regenschutz-Montur hinaus aufs Deck, um die Nachtschicht zusammen mit zwei Kollegen zu übernehmen. Der Wind war immer noch stark und hat den Regen ins Gesicht geweht, sodass man kaum vom Steuerrad bis zum Bug sehen konnte. Eine Ausnahme waren die Momente, in denen ein Blitz in der Nähe eingeschlagen hat. In diesen kurzen Augenblicken, konnte man die hohen Wellen und die viel dünklere Farbe des Meereswassers gut erkennen.
Regatta durch ein Gewitter
Einige Seemeilen vor uns war schon die nächste Gewitterfront zu sehen. Mit einem Seil, Gurten und Rettungswesten gesichert ging die Fahrt Richtung Dubrovnik weiter.
Bei der Fahrt durch ein Gewitter kommt einiges an Arbeit auf einen zu. Die ständig wechselnden Windverhältnisse erfordern ständige Aufmerksamkeit der ganzen Mannschaft an Bord. Ständige Kurswechsel und Anpassungen der Segel an den Wind sind notwendig. Besonders bei den Winden an den Nordwestküsten Kroatiens, die zu den stärksten der Welt gehören, heißt es umso mehr aufpassen. Zwischen Triest und dem Süden Dalmatiniens kann die Bora über 250 km/h erreichen. Damals war es deutlich weniger, mit rund 60-70 Knoten.
„Wenn Reisen Angst macht“
Es war einer der vielen Blitze, die schon seit einigen Stunden immer wieder in weiter Entfernung rund um das Schiff eingeschlagen haben. Diesmal waren es nur etwa 100 Meter, direkt vor dem Schiff. Der Blitz war hell genug, dass ich nach dem Einschlag im Wasser ein paar Sekunden nicht wirklich etwas sehen konnte. Ein Augenblick in dem ich wirklich froh war noch das Steuerrad in meinen Händen zu spüren und den kalten Wind und Regen im Gesicht. So knapp war es noch nie.
Das größte Problem nach einem direkten Blitzeinschlag wäre gewesen, dass die Elektronik nicht mehr funktioniert. Auch wenn alles bewegliche vom Netz genommen und verstaut ist, kann der Blitz über Trennschalter durch die Leitungen springen. Wenn so etwas passiert, funktioniert kein elektronisches Gerät mehr. Keine Navigation, kein Motor, … Zudem kann es sein, dass der Blitz auch ein Loch in den Rumpf schlägt. Dieses würde zwar nur 2-4 Milimeter groß sein, was aber schon ausreichen kann um ernsthafte Probleme zu verursachen.
Bis zum Ziel der Regatta, in Dubrovnik waren es noch 1 1/2 Tage. Das Ende des Gewitters wurde noch von einer fast totalen Windstille begleitet. So als ob die ganze Nacht lang nichts passiert wäre, trieben wir mit 2-3 Knoten weiter Richtung Süden. Erst gegen 5 Uhr Früh bei Sonnenaufgang, nahe der Insel Molat kam wieder ein guter Wind von Norden her auf.
Nach insgesamt 2 1/2 Tagen und etwa 300 gefahrenen Seemeilen (rund 500 Kilometer) haben wir Dubrovnik als viertes Segelschiff erreicht.
Über alle möglichen anderen Reise-Themen, könnt ihr auf meinem Blog lesen.
Zum Abschluss, habe ich noch bei Youtube ein Video zum Thema Segeln in Kroatien heraus gesucht.











